Ich verwende den Begriff Lernstrategien sehr häufig, da ich oft über Lernen spreche. Ab und zu werde ich gefragt, was genau ich damit meine und ob er das gleiche bedeutet wie Lerntechniken und Lernmethoden. Gute Frage…
Was sind Lernstrategien?
Hier habe ich zwei Definitionen herausgesucht:
- Im (schon etwas älteren) Standardwerk „Handbuch Lernstrategien“ finde ich gleich auf der ersten Seite eine Definition: Lernstrategien sind „[…] jene Verhaltensweisen und Gedanken, die Lernende aktivieren, um ihre Motivation und den Prozess des Wissenserwerbs zu beeinflussen und zu steuern“ (Mandl & Friedrich, 2006).
- In einem Kapitel zum Thema Selbstreguliertes Lernen werden Lernstrategien so beschrieben: „Unter dem Begriff Lernstrategien versteht man Handlungen und Gedanken, die dazu dienen, den Lernprozess direkt oder indirekt zu steuern und die vom Lernenden wissentlich mit dem Ziel, den Lernprozess zu optimieren, genutzt werden können“ (Götz & Nett, 2017).
Kurz zusammenfasst: Lernstrategien
- sind Gedanken, Verhaltensweisen bzw. Handlungen und
- sollen den Lernprozess (und die Motivation) steuern und optimieren.

Arten von Lernstrategien
Häufig werden drei Arten von Lernstrategien unterschieden: kognitive, metakognitive und ressourcenorientierte Lernstrategien.
Kognitive Lernstrategien
An kognitive Lernstrategien denkst du vielleicht zuerst, wenn du das Wort Lernstrategien hörst.
Dazu gehören:
- Wiederholungsstrategien: Ziel ist es, neue Informationen durch Wiederholung im Langzeitgedächtnis zu speichern. Das kannst du erreichen, indem du Lerninhalte wiederholt aufsagst oder aufschreibst oder diese innerlich vor dir hersagst.
- Organisationsstrategien: Ziel ist es, neue Informationen auszuwählen und anzuordnen. Dazu kannst du u.a. Texte unterstreichen oder Tabellen, Diagramme und MindMaps erstellen.
- Elaborationsstrategien: Ziel ist es, neue Informationen mit bestehenden Informationen zu verbinden. Das passiert, indem du dir beispielsweise Fragen zum Lernstoff stellst oder eigene Beispiele zu einem Thema überlegst.
Metakognitive Lernstrategien
Mit diesen Lernstrategien begibst du dich auf eine Metaebene – also über die kognitiven Strategien, um diese zu planen, zu überwachen und zu regulieren.
Dazu gehören:
- Planung: Du überlegst dir dein eigenes Vorgehen. Dazu erstellst du dir einen Lernplan überlegst, welche kognitiven Lernstrategien du anwenden willst und welche Lernmaterialien du benötigst.
- Monitoring/Überwachung: Du überprüfst regelmäßig deinen eigenen Lernfortschritt und ob du die Lernstrategien richtig anwendest. Dazu kannst du Selbsttests einsetzen oder das Gelernte wiederholen.
- Regulation: Wenn Probleme auftreten, passt du deine Lernstrategie an. Solltest du beim Monitoring feststellen, dass du deinem Lernziel nicht näherkommst, wählst du beispielsweise eine andere kognitive Lernstrategie, um den Lernstoff zu bearbeiten.
Ressourcenorientierte Lernstrategien
Die ressourcenorientierten Lernstrategien werden auch als sekundäre Lernstrategien bezeichnet. Diese Ressourcen solltest du kennen und gezielt für dich nutzen.
- internale Ressourcen: In dir selbst stehen dir u.a. die Ressourcen Anstrengung und Konzentration zur Verfügung, die du für dein Lernen nutzen kannst.
- externale Ressourcen: In deiner Umgebung kannst du u.a. auf folgende Ressourcen zurückgreifen: eine geeignete Lernumgebung, soziale Unterstützung, Lerngruppen, Literatur und Lernmaterialien.
Verschiedene Begriffe, gleiche Bedeutung?
In der Psychologie wird meist der Begriff „Lernstrategie“ verwendet, aber auch die Begriffe Lerntechnik oder Lernmethode tauchen auf. Genau voneinander unterschieden werden sie in der Fachliteratur jedoch nicht.
Was sich jedoch stark davon unterscheidet, ist das Konzept von Lernstilen. Dieses hält sich hartnäckig, obwohl es zu den Mythen der Lernpsychologie gehört und keine wissenschaftliche Fundierung hat (Zusammenfassung von Bauer & Asberger, 2022).
Lust noch mehr zu lernen? Ich unterstütze dich gern mit meinen Angeboten zum Thema Lernpsychologie für Einzelpersonen und Gruppen.
Literaturquellen
Götz, T., & Nett, U. E. (2017). Selbstreguliertes Lernen. In T. Götz (Hrsg.), Emotion, Motivation und selbstreguliertes Lernen (2., akt. Aufl, S. 144–184). Schöningh.
Mandl, H., & Friedrich, H. F. (Hrsg.). (2006). Handbuch Lernstrategien. Hogrefe.
Bauer, J., & Asberger, J. (2022). Was Lehrkräfte im Unterricht getrost ignorieren können: Lernstile von Lernenden. In G. Steins, B. Spinath, S. Dutke, M. Roth & M. Limbourg (Hrsg.), Mythen, Fehlvorstellungen, Fehlkonzepte und Irrtümer in Schule und Unterricht (S. 157–180). Berlin: Springer.
Wild, K. P. & Schiefele, U. (1994). Lernstrategien im Studium. Ergebnisse zur Faktorstruktur und Reliabilitat eines neuen Fragebogens. Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 15, 185–200.