Sobald es ums Lernen geht, landet man ziemlich schnell beim Thema Lernstrategien. Lernstrategien sind wie Werkzeugen und Lernprofis arbeiten mit einem gut sortierten Werkzeugkoffer. Hier findest du Antworten auf drei wichtige Fragen zum Thema Lernstrategien:
Wofür brauche ich Lernstrategien?
Wofür brauchst du Strategien ganz allgemein? Am bekanntesten sind vermutlich Problemlösestrategien. Diese wendest du an, wenn du ein Ziel erreichen möchtest, sich jedoch Hindernisse bzw. Barrieren dir in den Weg stellen. Beispiel: Du möchtest auf einem Weg dein Ziel erreichen, doch plötzlich versperrt dir ein großer Felsbrocken den Weg. Jetzt brauchst du eine Strategie, um den Felsbrocken zu überwinden, denn nur so kannst du deinen Weg fortsetzen und an dein Ziel zu gelangen.
Das Gleiche gilt auch beim Lernen: Du möchtest eine Aufgabe bearbeiten, um dein Lernziel zu erreichen. Dabei stellst du fest, dass es ein Hindernis auf deinem Weg gibt: Ein komplizierter Text aus einem Lehrbuch, den du für die Beantwortung der Frage lesen musst. Jetzt kannst du eine Lernstrategie einsetzen, um den Text so zu bearbeiten, dass du dessen Inhalte für deine Aufgabe nutzen kannst. In diesem Fall wählst du bewusst eine Lernstrategie aus und setzt diese ein, um dein Lernproblem bzw. die Aufgabe zu lösen.
Auch beim Lernen für die nächste Prüfung können Hindernisse auftreten, z.B. dass du die Lerninhalte immer wieder vergisst. In diesem Fall kannst du ebenfalls eine Lernstrategie einsetzen, die dir dabei hilft, die Inhalte im Gedächtnis abzuspeichern und zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder abzurufen.

Wie nutze ich Lernstrategien richtig?
Genau wie bei einem Werkzeugkoffer, solltest du deine Werkzeuge genau kennen, wenn du sie effektiv einsetzen möchtest. Es hilft dir nicht, einfach einen großen Werkzeugkoffer anzuschaffen, ohne zu wissen, wie du die einzelnen Werkzeuge darin richtig anwendest.
Kenne die 3 W’s der Lernstrategien:
- Was?: Du kennst den Namen der Lernstrategie
- Wie?: Du weißt, wie du die Lernstrategie anwendest und hast die Anwendung auch schon ausreichend geübt.
- Wann?: Du weißt, wann du die Lernstrategie anwenden kannst und für welche Lerninhalte sie geeignet sind.
Wenn du nur viele Lernstrategien aufzählen kannst, ohne zu wissen, wie und wann du diese nutzen kannst, werden dir die Strategien nicht weiterhelfen.
Ebenfalls wichtig ist, dass du verschiedene Lernstrategien zielgenau einsetzt, denn der Einsatz kann sich zwischen verschiedenen Fächern unterscheiden. Eine wertvolle Strategie aus dem Fach Mathematik hilft dir beispielsweise im Sprachunterricht nicht weiter. Deshalb lerne Lernstrategien am besten in Verbindung mit einem bestimmten Fach.
Letztlich gilt auch hier, was auch beim Heimwerken gilt: Du brauchst verschiedene Werkzeuge, vor allem wenn du merkst, dass du mit deinem gewählten Werkzeug nicht gut vorankommst. Du kannst dich aber auch nicht nur für ein Werkzeug entscheiden und alles damit bearbeiten. Wie würde deine Wohnung aussehen, wenn du für alle Aufgaben nur den Hammer verwendest? Dein Werkszeug muss zu deiner Aufgabe passen, genauso wie deine Lernstrategie zu deinen Lerninhalten passen muss.
Welche Lernstrategien sind die besten?
Diese Frage haben sich auch Wissenschaftler*innen gestellt und sind ihr nachgegangen (Dunlosky et al, 2013). Wichtig zu wissen ist, dass sie sich dabei auf Lernstrategien konzentriert haben, die in vielen Fächern und Altersgruppen gut anwendbar sind. Das heißt, es handelt sich nicht um fachspezifische Lernstrategien, die aber ebenfalls wichtig sind und auf die du achten solltest.
Für alle Lernstrategien gilt, dass du sie mit voller Aufmerksamkeit und Denkleistung (aktiv) anwendest. Gedankenverloren Texte immer wieder zu lesen oder zu unterstreichen, wird dir nicht weiterhelfen.
Welche Lernstrategien helfen ganz allgemein am besten?
- Selbst-Tests: Du überprüfst, ob du dein gelerntes Wissen wieder aus deinem Gedächtnis abrufen kannst – entweder ganz frei oder mit Hilfe von Fragen.
- Verteiltes Lernen: Das bedeutet, dass du nicht zu einem Zeitpunkt sehr viel und sehr lange lernst, sondern zu verschiedenen Zeitpunkten kürzerer Lerneinheiten absolvierst (ähnlich wie beim Sport-Training). Denn durch mehrere kleinere Lerneinheiten musst du das Wissen im Gedächtnis immer wieder neu aktivieren und das ist besonders effektiv.
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Literaturquellen:
- Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving Students’ Learning With Effective Learning Techniques: Promising Directions From Cognitive and Educational Psychology. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58. https://doi.org/10.1177/1529100612453266
- Öllinger, M. (2016). Problemlösen. In Allgemeine Psychologie (pp. 587-618). Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.