Ein Buch zum Thema Lernen interessiert mich natürlich. Klar, dass das auf meinem Schreibtisch landet und ich es mir genauer ansehe:
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Inhalt & Struktur
Thema des Buches sind „25 Strategien für gute Noten, großes Wissen und schnellen Erfolg“ und wie der Titel schon sagt, es geht ums Lernen.
Beim Blick ins Inhaltsverzeichnis sind die Themen des Buches gut zu erkennen. Ich entdecke verschiedene Lernstrategien, z.B. Spaced Repetition, Mnemotechnik, Probetests oder Interleaving. Dazu kommen metakognitive Strategien wie Lernplanerstellung, Gewohnheitstracking, Vermeidung von Ablenkung durch Handys oder Selbstreflexion. Doch es werden auch Themen aufgeführt, die zwar fürs Lernen wichtig sind, die ich jedoch als sekundär einordnen würde: Schlaf, Sport und Ernährung. Die Themen folgen jedoch recht ungeordnet aufeinander. Einen sinnvollen roten Faden kann ich bei dem großen Kanon an Themen nicht erkennen. Auch die Autoren ordnen die einzelnen Themen nicht zueinander ein – alles bleibt gleichwertig nebeneinanderstehen.
Sehr positiv finde ich, dass sich das Buch wirklich gut lesen lässt. Die Autoren wechseln wunderbar zwischen Beispielen, Inhalten und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Auch die Idee, die Inhalte in kurze Kapitel zu gliedern und auf verschiedene Tage zu verteilen, gefällt mir und wird vor allem jüngeren Leser*innen helfen. Die einzelnen Abschnitte in den Kapiteln sind nicht zu lang. Es gibt Zwischenüberschriften, Abbildungen und Listen, die das Lesen erleichtern. Am Ende jedes Kapitels gibt es konkrete Aufgaben, um das Gelernte gleich im Anschluss an das Lesen anzuwenden.
Die Autoren
Die Autoren des Buches (Josef Naber und Johannes Mensing) und ihre Arbeit kannte ich vor dem Lesen nicht. Sie haben Lehramt studiert und betreiben das Unternehmen MatheMind, das Nachhilfe für Mathematik anbietet und sind darüber hinaus auf Social-Media erfolgreich. Sie haben bereits das Buch „Mathe kann jeder“ veröffentlicht.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Natürlich sehe ich mir bei Büchern zum Thema Lernen auch die Anmerkungen bzw. die Literaturliste am Ende des Buches an. Hier sehe ich den größten Kritikpunkt des Buches. Während zu manchen Kapiteln mehrere Quellen angeführt wurden, mussten andere nur mit einer Quelle auskommen. Vor allem die Kapitel, die sich mit den Grundthemen des Lernens beschäftigten, hatten nur wenige Quellenangaben. Während manche Studien zusammengefasst und erläutert wurden, wurde an anderen Stellen lediglich ein „Studien zeigen, dass…“ im Text angeführt, ohne jedoch Quellen zu nennen.
Besonders überrascht war ich über die Erwähnung einer Studie im Kapitel „Prokrastination“. Bei dieser Studie aus dem Jahr 1994 ging es um Psychotherapie und Anreizprogramme für suchterkrankte Erwachsenen. Wie dieses Ergebnis Lernenden weiterhelfen soll, erschließt sich mir nicht.
Auch im vorletzten Kapitel zum Thema „Erfolgserlebnisse schaffen“, welches fünf verschiedene Methoden anführt, gibt es nur einen wissenschaftlichen Beleg, der sich jedoch auf einen beruflichen Kontext und nicht aufs Lernen bezieht. Die vorgeschlagenen fünf Methoden werden nicht wissenschaftlich belegt.
Insgesamt hätte ich mir bei diesem Thema eine breitere und solidere wissenschaftliche Basis und ein umfangreiches Literaturverzeichnis gewünscht, um die Aussagen und Tipps durchgehend mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu belegen.
Wem ich das Buch empfehlen würde
Die Autoren machen selbst keine konkreten Angaben, an wen sich das Buch richtet. Es gibt Tipps für Eltern, Lehrkräfte und ein Zusatzkapitel für Schüler*innen.
Aus meiner Sicht eignet sich das Buch für Lernanfänger*innen (sowohl Jugendliche als auch Erwachsene), die einen (Wieder-)Einstieg ins Thema finden möchten. Auch Lehrende können das Buch nutzen, um verschiedene Themen der einzelnen Kapitel mit Lernenden zu besprechen und zu vertiefen.
Buchtitel
Naber, J. & Mensing, J. (2026). Lernen kann jeder! 25 Strategien für gute Noten, großes Wissen und schnellen Erfolg. dtv Verlagsgesellschaft.
Umfang: 267 Seiten