Wie viele Lesestrategien kennst du? Wie viele davon nutzt du aktiv beim Lesen? Dieser Beitrag enthält verschiedene Kategorisierungen von Lesestrategien und erklärt, warum Leser*innen verschiedene Lesemodalitäten gezielt einsetzen sollten.
Was sind Lesestrategien?
Kurz gesagt: Lesestrategien sind Lernstrategien, die sich auf’s Lesen beziehen. Es geht also darum, Texte zu verstehen.
Genauso wie Lernstrategien setzen Leser*innen auch Lesestrategien bewusst, kontrolliert und zielgerichtet ein. Dabei können Lesestrategien die kognitiven Ressourcen der Leser*innen belasten. Daher ist es wichtig, dass Leser*innen die Strategien ausreichend üben.

Lesestrategien (für Anfänger*innen)
Hier findest du fünf Lesestrategien, die viele Leser*innen schon seit der Grundschule kennen (hier aus dem Projekt d²L). Doch auch nach der Grundschule bleiben diese Lesestrategien wichtige Werkzeuge:
- Überschriften beachten: Ich lese zuerst die Überschrift und überlege, worum es im Text gehen könnte und was ich schon darüber weiß. Erst dann lese ich den Text.
- Vorhersagen machen: Ich lese zuerst den Text und frage mich dann, wie der Text weitergehen könnte. So kann ich überprüfen, ob ich alles aufmerksam gelesen und verstanden habe.
- Schwierige Wörter klären: Welche für mich unbekannten Wörter enthält der Text? Werden sie bereits im Text erklärt oder muss ich sie woanders nachsehen?
- Wichtiges unterstreichen: Zuerst lese ich den Text einmal vollständig durch, bevor ich anfange, Wichtiges zu unterstreichen. Dazu kann ich W-Fragen (Wer macht Was? Wann und Wo? Wie und Warum?) nutzen. So erhalte ich einen besseren Überblick über den Text.
- Texte zusammenfassen: Zuerst lese ich den Text. Danach versuche ich, in eigenen Worten zu erklären, worum es im Text geht. Dazu nutze ich auch die W-Fragen (Wer macht Was? Wann und Wo? Wie und Warum?). Durch eine eigene Zusammenfassung kann ich mir Wichtiges aus dem Text besser merken.
Kognitive und metakognitive Lesestrategien
Es gibt verschiedene Kategorisierungsmöglichkeiten für Lesestrategien. Eine Möglichkeit ist es, diese (wie auch andere Lernstrategien) nach kognitiven und metakognitiven Strategien zu unterscheiden:
Kognitive Strategien
- Wiederholungsstrategien
- Textinformationen im Arbeitsgedächtnis aufrechterhalten, z.B. durch wiederholtes Lesen
- Organisationsstrategien
- Textstruktur erfassen
- Text reduzieren, z.B. Markierungen, Notizen oder grafischen Darstellungen
- Elaborationsstrategien
- neue Informationen aufnehmen und in bestehendes Wissen integrieren, z.B. durch Vorwissensaktivierung, Fragenstellen an den Text, Anfertigen von Skizzen zum Text
Metakognitive Strategien
- Planen des Lese- und Verstehensprozesses: Wie möchte ich vorgehen? Welche Lesestrategien kann ich einsetzen?
- Überwachen des Lese- und Verstehensprozesses: Komme ich mit meiner Lesestrategie meinem Leseziel näher?
- Regulieren des Lese- und Verstehensprozesses: Brauche ich eine andere Lesestrategie?
Lesestrategien und Selbstreguliertes Lernen
Auch nach den Phasen des Selbstregulierten Lernens können Lesestrategien geordnet werden:
- Vor dem Lesen
- Ziele setzen, z.B. Fragen an den Text stellen
- Leseprozess planen, z.B. Leseabschnitte festlegen
- Vorwissen aktivieren, z.B. überlegen, was man schon zum Thema des Textes weiß
- Während des Lesens
- Textinhalte erschließen, z.B. Überschriften und Zwischenüberschriften beachten
- Mit Verstehensschwierigkeiten umgehen, z.B. unbekannte Wörter nachschlagen
- Textstruktur nachvollziehen, z.B. Abschnitte einteilen
- Nach dem Lesen
- Textinhalte zusammenfassen, z.B. eigene Stellungnahme zum Text darstellen
- Lesestrategien und Vorgehen reflektieren, z.B. Umgang mit Unterbrechungen reflektieren
Lesemodalitäten
Lesemodalitäten können auch als Lesehaltungen bezeichnet werden. Zwei Lesemodalitäten stehen dabei im Fokus: Das Deep Reading und das funktionale Lesen.
- Deep Reading (auch Deep Understanding): gründliches, umfassendes, intensives und verstehendes Lesen, das Zeit braucht, um
- Schlussfolgerungen zu ziehen
- Hypothesen zu bilden, zu bewerten und zu überprüfen
- Text zu interpretieren
- Text mit vorhandenem Wissen abzugleichen
- Funktionales Lesen (= informatorisch-zweckorientiertes Lesen), dazu gehören:
- Skimming (= den Text überfliegen)
- Scanning (= bestimmte Textinformationen herausfiltern)
Während Leser*innen für das Lesen literarischer Texte Deep Reading einsetzen sollten, brauchen sie für Sachtexte oft eine Kombination aus Deep Reading und funktionalen Lesen. Kompetente Leser*innen beherrschen beide Lesemodalitäten und können zwischen beiden je nach Lesesituation wechseln.
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Quellen
Gold, A. (2024). Digital lesen. Echt jetzt? Literarische Texte und Sachtexte am Bildschirm lesen. In Literarische Texte lesen–Texte literarisch lesen: Festschrift für Cornelia Rosebrock (pp. 51-70). Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.
Videos d²L: https://www.uni-muenster.de/PsyIPBE/aesouvignier/praxistransfer/video/index.shtml (abgerufen 9. Juli 26)
Handbuch d²L: https://www.uni-muenster.de/PsyIPBE/aesouvignier/praxistransfer/downloads/downloads.shtml (abgerufen 9. Juli 26)
Uni Münster – Textverstehen https://www.uni-muenster.de/Textverstehen-im-Fach/textverstehen/theoretischegrundlagen/index.html (abgerufen 10. Juli)