Grenzen setzen beim Zuhören

Unbegrenzt anderen zuzuhören ist nicht möglich. Wie du Zuhörsituationen gestalten und Grenzen setzen kannst, erfährst du im Beitrag.

Zuhören ist ein aktiver Prozess, der deine Aufmerksamkeit beansprucht. Auf Dauer kann Zuhören anstrengend werden. Dabei kann es verschiedene Gründe geben, warum du gerade nicht mehr zuhören kannst, z.B.:

  • deine Konzentration ist erschöpft
  • physiologische Bedürfnisse (Durst, Müdigkeit, Unwohlsein) melden sich
  • die Gesprächsinhalte (Einstellungen, Positionen, Themen) passen nicht zu deinen Vorstellungen oder beunruhigen dich
  • Emotionen entstehen während des Gespräches bei dir (positive oder negative Emotionen)
  • das Verhalten oder die Sprechweise deines/deiner Gesprächspartner*in beeinflussen dein Zuhören

Ab einem gewissen Punkt kannst du dann vielleicht nicht mehr zuhören und somit auch keine neuen Informationen mehr aufnehmen. Du brauchst eine erholsame Pause, um deine Ressourcen aufzuladen.

Leider kannst du nicht jede Zuhörsituation nach deinen Wünschen gestalten. Doch manchmal hast du vielleicht die Gelegenheit, beim Zuhören eigene Grenzen zu setzen und die Zuhörsituation so zu gestalten, dass du besser zuhören kannst.

Hier ein paar Tipps, die du für dich nutzen kannst:

  • Zeitrahmen festlegen: Du kannst selbst festlegen, wie lange du Zuhören möchtest. Gerade wenn viele neue Informationen auf dich zukommen oder es ein schwieriges Gespräch ist, kann es hilfreich sein, wenn du einen Zeitrahmen setzt und dich anschließend vom Zuhören erholst.
  • Passenden Ort fürs Zuhören finden: Wo möchtest du zuhören? Ideal sind Orte, in denen es keine Ablenkung durch Lärm gibt, damit du dich besser aufs Zuhören konzentrieren kannst. Auch die Sitzmöbel können entscheidend sein. Sitzt du bequem und hast die Möglichkeit deine Sitzposition zu verändern oder dich sogar zu bewegen? Vielleicht möchtest du auch beim Gehen einer Person oder einer Aufnahme zuhören. Auch dabei solltest du auf einen möglichst ablenkungsfreien Weg achten.
  • Gesprächsthema festlegen: Je nach Art des Gesprächs kann es hilfreich sein, wenn du dich vorher mit deinem/deiner Gesprächspartner*in auf ein Gesprächsthema einigst (insbesondere, wenn man beim Gespräch auf ein Ergebnis oder zu einer Einigung kommen muss). So ist ganz klar, was z.B. in der nächsten halben Stunde besprochen werden soll. Das erleichtert auch das Zuhören.
  • Kommunikationsregeln vereinbaren: Du kannst vor einem Gespräch auch Kommunikationsregeln mit deinem/deiner Gesprächspartner*in vereinbaren. So kann z.B. jede*r sich 5 Minuten zu einem Thema äußern, ohne dabei von der anderen Person unterbrochen zu werden.
  • Gesprächsabbruch, -unterbrechungen und Pausen nutzen: Wenn du bemerkst, dass du nicht mehr zuhören kannst, kannst du um eine Gesprächspause oder eine Unterbrechung bitten, um das Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt weiterzuführen. Manchmal kann es auch hilfreich sein, ein Gespräch abzubrechen, weil du die bisherigen Informationen zuerst verarbeiten und sortieren musst, bevor du weitere Informationen aufnehmen und wieder zuhören kannst.
  • Auf die Metaebene wechseln oder die Moderatorenrolle einnehmen: Zuhören bedeutet nicht nur, stumm neue Informationen aufzunehmen. Als gute*r Zuhörer*in kannst du auch Nachfragen stellen, um sicher zu gehen, dass du alles richtig verstanden hast. Ebenso kannst du in eine Moderatorenrolle wechseln, um mit deiner/deinem Gesprächspartner*in über das Gespräch zu sprechen. Beispiel: „Ich habe den Eindruck, dass wir gerade keine Lösung für unser Problem finden.“ Oder: „Ich glaube wir sind gerade von unserem Gesprächsthema abgekommen, das wir besprechen wollten …“ Dabei ist es hilfreich, Ich-Botschaften zu verwenden, z.B. „Ich kann gerade nicht mehr gut zuhören und brauche eine Pause.“ anstatt „Du redest immer so viel!“.

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Literaturquellen

Diese Tipps sind auf Grundlage von Literatur zu Thema Beratung entstanden, u.a.

Bachmair, S., Faber, J., Hennig, C., Kolb, R., & Willig, W. (2014). Beraten will gelernt sein: Ein praktisches Lehrbuch für Anfänger und Fortgeschrittene (11. Aufláge). Beltz.

Hertel, S., & Schmitz, B. (2010). Lehrer als Berater in Schule und Unterricht (1. Auflage). Kohlhammer Verlag.